Unsere Produzentinnen

 

Als das Projekt BERBERWERK noch ganz am Anfang stand und wir uns auf die Suche nach geeigneten Teppichen begaben, wussten wir nur eines: Es musste etwas wirklich Einzigartiges sein. Die Qualität der Teppiche musste stimmen, die Bedingungen, unter denen sie hergestellt wurden ebenso. Wir besuchten Handwebmeisterinnen und Handwebmeister in ihren Webstuben in ganz Tunesien – und wurden fündig.

Hier möchten wir Ihnen einige unserer Produzentinnen vorstellen:

 

Handwebmeisterin Aida Dali, Sbeitla (Region Kasserine)

Die Kleinstadt Sbeitla liegt 250 km südwestlich von Tunesiens Hauptstadt Tunis im Gouvernement Kasserine, eine der ärmsten Regionen im Land. Sbeitla entstand – so erzählt uns die Handwebmeisterin Aida Dali bei unserem ersten Treffen – aus einem Berberdorf und ist bekannt für seine lange Tradition in der Handweberei.

Aida besitzt zwei Webstuben. Eine steht in Sbeitla, eine andere in Foussana, etwas weiter westlich an der Grenze zu Algerien.

Aida Dali
Handwebmeisterin Aida Dali mit Ihren Auszeichnungen (Sbeitla, 2020)

Die Revolution in Tunesien 2010/2011 hat ihr und dem ganzen Handwerksbetrieb schwer zugesetzt. In der Zeit davor arbeiteten 250 Weberinnen fix im Betrieb. Heute beschäftigt Sie 20 Frauen, die sich in zwei Schichten am Webstuhl ablösen: Eine Weberin webt vormittags, die andere nachmittags. Andere arbeiten an einem Teppich allein, und zwar von zu Hause.

„Not macht erfinderisch.“ heißt es in einem Sprichwort. Um sich und ihren Angestellten ein wirtschaftliches Überleben zu ermöglichen, schlug Aida vor Jahren einen neuen Weg ein und entwickelte eine Technik, die es erlaubt, Halfagras (in Tunesien “Halfa” genannt) fein zu einem weichen Garn zu verspinnen um daraus Teppiche zu weben und zu knüpfen. Sie wurde für diese Innovation mehrmals geehrt und erhielt vom “Office National d’Artisanat Tunisien”, der tunesischen Bundesbehörde für Kunsthandwerk, die folgenden Auszeichnungen:

  • 1. Preis im Wettbewerb für Innovation im Bereich Kunsthandwerk 2010, verliehen durch das “Office National d’Artisanat Tunisien”
  • 1. Preis im Wettbewerb für Innovation Kunsthandwerk im Bereich pflanzliches Garn für den großen Halfa-Berberteppich 2009, verliehen durch das “Office National d’Artisanat Tunisien”

Sie gilt landesweit in der Zunft der Handwebmeisterinnen als Ikone für fortschrittliche Teppichkunst.

Handwebmeisterin Jalila Jlouli, Béja (Region Béja)

100 km westlich von Tunis liegt die Stadt Béja im gleichnamigen Gouvernement. Die Handwebmeisterin Jalila Jlouli besitzt dort eine Webstube und bildet junge Frauen und Mädchen im Rahmen einer Lehre zu Weberinnen aus. Im Kunsthandwerksdorf des “Office National d’Artisanat Tunisien” hat sie auf Tür 5 einen Verkaufsraum eingerichtet.

Jalila erzählt uns, dass in der Region in und um Béja viele arme Familien in ihrer Verzweiflung ihre Töchter im Alter von 12 oder 13 Jahren in die Hauptstadt schicken, damit diese dort als Hausmädchen für reiche Städter arbeiten. Die Arbeitsbedingungen seien, so erzählt Jalila, nicht die Besten, viele Mädchen würden ausgebeutet. Mit ihrem Handwerksbetrieb will sie dagegen ankämpfen. Ausgebildete Weberinnen ihres Betriebes haben die Chance auf ein höheres Einkommen und damit ihre Kinder die Aussicht auf Bildung und bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem sollen den jungen Frauen und Mädchen durch die Lehre eine Zukunftsperspektive geboten werden. Auch wenn sie immer wieder aus dem Verkauf ihrer Teppiche nicht ausreichend Einnahmen hat – die Teppich-Produktion würde sie trotzdem nicht einstellen, erzählt uns Jalila.

Kompromisslos zeigt sich Jalila auch in ihrer Handwebkunst. Für die Zertifizierung ihrer veganen Berber-Kelims und Designer-Berberteppiche kämpfe sie schon seit Jahren. Ihre Leinen-Kelims und -Mergoums und teilgeknüpfte Baumwoll-Berberteppiche sind einzigartig. Für das Design greift Jalila uralte Berber-Motive auf und kreiert damit Designer-Teppiche auf höchstem Niveau. Wir lieben sie!

 

Handwebmeisterin Madame Slaui Khanfochi und ihre Töchter, Kairouan (Region Kairouan)

Hinter ihrem Haus hat die Handwebmeisterin Slaui Khanfochi eine Webstube und einen Unterrichtsraum eingerichtet. Das Haus liegt in einem der ärmeren Viertel der Stadt Kairouan, 150 km südlich von Tunis. Kairouan ist eine geschichtsträchtige Stadt, auch die Teppichkunst hat hier eine ganz besondere Geschichte. Diese machte Kairouan zur Teppich-Hauptstadt Tunesiens.

Slaui bietet jungen Frauen und Mädchen eine Lehre zur Weberin in ihrem Handwerksbetrieb an. Eine ihrer Töchter ist für den Unterricht zuständig. Einige Frauen arbeiten in der Webstube, viele in der umliegenden Nachbarschaft von zu Hause. Hier entstehen echte, traditionelle Berber-Teppiche einzigartiger Qualität und Kunstfertigkeit.

 

Handwebmeisterin Munia Negra, Den Den (Hauptstadt Tunis)

In Den Den, einem Stadtteil im Westen von Tunis, liegt das Headquarter des “Office National d’Artisanat Tunisien”. Das angeschlossene Kunsthandwerksdorf bietet Künstlern und Kunsthandwerkern die Möglichkeit, ihre Produkte in Schauräumen zu präsentieren. Auch die Handwebmeisterin Munia Negra hat dort Ihren Schauraum engerichtet.

Ihre Teppiche werden unter anderem in Sejenane (im Gouvernement Bizerte) und Kesra (im Gouvernement Siliana) von den Weberinnen zu Hause handgefertigt.

Besonders für die moderne Weiterentwicklung im Design der soliden Mergoum-Teppiche sowie der grandiosen Designs ihrer farbenfrohen Berber-Kelims oder Kelims du Sud ist Munias Handwebkunst in ihrer Zunft weithin bekannt und für uns der Inbegriff für das Schöne.